Ein paar Jährchen will Else Heldt noch dran hängen
Seit 66 Jahren mit dem Bauverein liiert
Irgendwie hat er ja Recht, der Udo Jürgens. Mit 66 Jahren fängt zwar das Leben nicht wirklich erst an – das bestätigt sicher auch Else Heldt - aber mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss. Ein paar Jährchen möchte die betagte 91-jährige Gevelsbergerin nämlich noch dran hängen
Geboren und aufgewachsen ist sie in Schlesien. Im Alter von 15 Jahren machte sie sich mit kleinem Gepäck auf gen Westen, genauer gesagt nach Köln, wo ihre Schwester lebte und als Schneidermeisterin arbeitete. Es war nur eine Zwischenstation. Drei Jahre später saß sie wieder in der Bahn. Diesmal ging es nach Haßlinghausen zu ihrem Bruder. Viel weiter sollte es in ihrem Leben nicht gehen – wohnmäßig gesehen.
Einfach mitgegangen
Irgendwann – etwa drei Jahre später - lud eine Freundin sie ein, doch einmal miteinander auszugehen: „Geh mit!“ hatte sie gesagt. Mit ging auch der Freund der Freundin und da aller guten Dinge mitunter vier sind, nahm der Freund der Freundin seinen Freund mit. Werner Heldt hieß der, kam aus Gevelsberg und war bei der Marine. Die junge Else fand ihn „ganz nett“ und schließlich auch ein bisschen mehr als nett. Es kam, wie es kommen musste, es funkte und 1945 heirateten die beiden in Haßlinghausen. Es war eine der ersten Hochzeiten nach dem Krieg im Höhendorf. Für Geschenke war kein Geld da. Nach der Trauung fuhren die frisch Vermählten einspännig im offenen Landauer den Berg runter nach Gevelsberg in die Waldstraße. Das war vor gut 66 Jahren.
Wohnung ein Geschenk
Im Haus 78 hatte Werner Heldt praktisch seit Fertigstellung eine Wohnung in einem Bauvereins-Haus. Ein kleiner Schatz in jenen Tagen der Wohnungsknappheit nach dem Krieg. Sieben Jahre lang wohnten der Schwiegervater und der Bruder mit in der Wohnung, eine ziemlich normale Sache in jenen Tagen. Werner Heldt verdiente seine Brötchen nach der Marine-Zeit als Reckschmied und später dann als Akkustikbauer für Wohnungsdecken. Seine Frau bekam eine Arbeit als Siebdruckerin bei Krefft. Heute ist Else Heldt 91 Jahre alt, ihr Mann starb vor 25 Jahren. Die Beine wollen nicht mehr so recht und das Sehen ist auch sehr schlecht geworden. Aber da können nette Nachbarn ja gut helfen. Sie stellen jeden Tag den Rollator für Else Heldt an die Treppe am Hauseingang. Den hat der Bauverein neu gemacht, was die Sache auch noch ein wenig erleichtert.
Kleiner Spaziergang
So kann die betagte Gevelsbergerin immer ihren kleinen Spaziergang machen: einmal bis zum Bahnübergang und zurück. Das hält mobil – schließlich will sie dem Bauverein ja noch einige Jahre treu bleiben. Sie sei eine richtige „Bauverein-Motte“, erzählte sie Ilona Weide aus der Birkenstraße. Die ist als Fußpflegerin regelmäßig bei Else Heldt zu Besuch und längst zur Freundin geworden. Ilona Weide erzählte uns die Geschichte gern weiter als Beispiel für das gute Verhältnis von Mitgliedern und Bauverein. Ihr vielen Dank auch dafür. Else Heldt wünschen wir viel Gesundheit und noch frohe Jahre in der Waldstraße.